Historischer Kontext

 

Infolge des Ersten Weltkrieges hatte Frankreich das Rheinland besetzt. In Deutschland gab es Kräfte, die überlegten, eine „Rheinische Republik“ als Gliedstaat des Deutschen Reiches zu betreiben, der losgelöst von Preussen existieren sollte. Die durch Stresemanns vorangetriebene „liberal-imperialistische“ Revisionspolitik führte am 16. Oktober 1925 zum Locarno- Vertrag. Dieser Sicherheits-, Rhein- oder Westpakt sah unter anderem eine gemeinsame Bürgschaft der sieben Vertragspartner für die deutsche Westgrenze und die Entmilitarisierung des Rheinlandes vor. Noch vor Jahresende wurde die Kölner Zone als erstes Gebiet des Rheinlandes geräumt. Am 28. Februar 1925 war Reichpräsident Ebert gestorben. Mit der Vereidigung seines Nachfolgers Hindenburg zeigte sich, dass das Vertrauen in die Repräsentanten des kaiserlichen Deutschlands noch groß war. Die Ablehnung des Parlamentarismus und liberaler Grundrechte war Kennzeichen der Zeit und konnte noch nicht überwunden werden.

In Köln regierte seit 1917 als Oberbürgermeister Konrad Adenauer. Der Kölner Oberbürgermeister hatte zwar eine Loslösung des Rheinlandes von Preussen erwogen, sich aber gegen separatistische Strömungen energisch zur Wehr gesetzt. Er verwarf schließlich die Lösung, weil er sie als politisch nicht durchsetzbar erkannte. Die Rheinische Republik, die von November 1923 bis Februar 1924 existierte, zerbrach am Volkswiderstand.

Gründung

Im SS 1925 wurde in Köln eine sechste CV Verbindung gegründet, die K.D.St.V. Rheinstein. Urheber war die K.D.St.V. Rappoltstein, die ihrerseits 1905 von der K.D.St.V. Badenia in Straßburg gegründet, aber 1919 nach Köln verlegt worden war. Hier stellte sie als älteste Ortskorporation des CV das (damals) größte Philisterium. Der damalige Senior Rappoltsteins, Bbr. Süsterhenn, leitete am 26. Mai 1925 die Versammlung, auf der die neue Gründung beschlossen wurde. Den Anstoß zur Neugründung einer Korporation hatte Adolf “Mephisto” Giesen gegeben, der mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter für die Befreiung des Rheinlandes von den französischen Besatzern eintrat. Er wurde der Gründungssenior, dichtete unsere Farbenstrophen und gab wohl auch den Abstoß zu unseren Farben (schwarz- weiß auf grünem Grund) und des Rheinstein- Wahlspruchs (Treudeutsch allerwege!).
Die neue Korporation sollte einen typisch rheinischen Charakter erhalten. Deshalb wurde zunächst der Name „Rheinfels“ gewählt. Auf Einspruch der KV-Verbindung „Rheinpfalz“ (Verwechslungsmöglichkeit) einige Wochen später in Rheinstein geändert, nach der Burg bei Assmannshausen. Die Publikation Rheinsteins wurde noch im gleichen Semester auf dem 21. Stiftungsfest Rappoltsteins nach einem festlichen Hochamt in er Kirche St. Gereon vollzogen. Die Aufnahme Rheinsteins in den CV erfolgte zwei Monate später auf der 55. C.V. in Innsbruck.

Die ersten Jahre

Unter dem Seniorat von Adolf Giesen begann Rheinstein mit acht Aktiven, fünf Inaktiven und zwölf Alten Herren das WS 1925/26. Philistersenior wurde Rechtsanwalt Dr. Holl aus Köln. Gemeinsam wurde beschlossen, Rheinstein durch betonte Pflege „des Geistigen in religiös – weltanschaulicher wie auch in allgemein – kultureller Hinsicht“ zu entwickeln. Nachdrückliche Hilfe fand er hierbei bei Adam, “Bobby” Peters, der im November 1925 rezepiert worden war. Dieses „Dreigestirn“ prägte den Charakter der Verbindung in den Anfangsjahren.
Im SS 1926 fand die erste Burgfahrt statt, auf Anregung von Giesen und Peters; die Tradition der Burgfahrt, ein Detail jeden Rheinsteinerlebens, war somit begründet. Im September 1926 fuhr Peters als Vertreter der Korporation zur 56. C.V. und knüpfte bei dieser Gelegenheit ein Freundschaftsverhältnis mit der Rheno- Franconia München. Bobby sorgte auch für die Kontinuität in der Entwicklung Rheinsteins. Im SS 1927 belegte er schon die 3. Charge, in den folgenden Semestern machte er noch den FM, den Senior und den KCV Senior. Im WS 1927/28 hatte Rheinstein schon ein eigenes Heim im „Reichshof“ am Heinzelmännchenbrunnen. Dass sich Rheinstein im Kölner CV etabliert hatte, zeigte der Osterdienstagskommers 1929 unter dem Vorsitz Bobby Peters: 1500 CVer und 150 Chargierte nahmen daran teil. Trotz einer Vielzahl von Korporationen in Köln verzeichnete Rheinstein im SS 1929 sogar 18 Rezeptionen. Damit war die Verbindung auch personell erstarkt. Zwischenträgereien aber führten im WS 1929/30 zu einem Zerwürfnis zwischen dem Philistersenior und Bobby Peters. Bobby zog sich aus dem aktiven Verbindungsleben zurück und gründete den „Hannen- Alt- Stammtisch“, über den er Einfluss auf die Verbindung ausübte. Ein Stück Piraterie, dass sich nur einen positiven Aspekt bewahrte: Die Aufbauarbeit Bobbys nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Festschrift lobt daher auch das Vorgehen Bobby Peters indirekt.
Aus gesundheitlichen Gründen trat Phil x Dr. Holl I im SS 1932 zurück. Zum neuen Philistersenior wurde der Stadtsyndikus Max Korndörfer, ein Ur- Rheinsteiner, gewählt. Seine erste Amtshandlung bestand im Kauf des neuen Hauses für die Korporation in der Elisenstraße. Die nun folgende Zeit war turbulent. Eine Fehlbesetzung im Chargenkabinett des WS 1932/33 machte es notwendig, dass die Alten Herren Dr. Bender und Fritz Morschbach gemeinsam die Amtsführung ausglichen.